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Thunderstone Advance

Thunderstone Advance hebt das Spiel auf eine neue Ebene. Dieses neuartige und eigen-ständige Spiel bietet noch mehr Thunderstone Spielspaß.
Zudem kann man seine bisherige Thunderstone Karten in diesem Spiel nutzen.

 

Thunderstone

Bisher sind mehrere Grundsspiele für Thunderstone erschienen. Diese sind jeweils eigenständig spielbar und zugleich auch kombinierbar.

 

Erweiterungen

Mittlerweile sind zahlreiche Erweiterungen für das Thun-derstone Kartenspiel erschie-nen. Jede davon bereichert das Spiel durch neue Aspekte und Karten/Kartentypen.

 

 

 

Eine neue Welt, ein uraltes Unheil

 

 

„Diese Donnersteine. Du sagst, dass sie Quellen eines uralten Unheils sind. Und du hast sie hierher gebracht.“

Der Krieger fühlte, wie sich Schweißperlen auf seinem Rücken bildeten.

Er war kein feiger Mann. Er hatte einmal einen Greif mit bloßen Händen getötet, als er zu vergiftet gewesen war, um seine Axt zu heben. Er hatte einem Ritter der Verdammnis in dessen leere Augenhöhlen gestarrt, bevor er ihn durchbohrte. Aber diese Ranger waren aus einem anderen Holz geschnitzt. Ruhige, friedliche Gemüter, mit einem Unterton, der sagte: „Böse wie eine Schlange“.

Bis jetzt hatten sie ihm zu Essen gegeben, ihn durch einen dunklen Wald mit sonderbaren Tieren geführt und wie einen Ehrengast behandelt. Dann, nachdem sie einen ganzen Tag gewandert waren und gerade ein Feuer für die Nacht entfachten, erwähnte der Krieger beiläufig das ohrenbetäubende Krachen des Donners. Wieder und wieder. Als er mit mehr als Hundert anderen Helden die Donnersteine zusammengetragen hatte und zusammen mit ihnen die Verdammnis, das leibhaftige Böse, aus seiner Welt verbannte. Waren es Hundert Helden? Hatte das nicht jemand erwähnt? Es war ein chaotischer Tag. Eine Menge Menschen. Und viele von ihnen waren nun tot.

„Versteht doch! Es war eher so, dass mich die Steine hierher gebracht haben,“ sagte er. Seine Stimme überschlug sich kaum. „Unsere Welt litt seit Generationen unter der Verdammnis. Wir dachten, wir würden sie verbannen. Wir hatten keine Idee, was passieren würde. Wir dachten, dass wir sie töten. Wir wussten doch nicht, dass unsere Welt ihr Gefängnis war, in das sie jemand anderes gesteckt hatte. Wir wussten nicht, dass wir sie hierher senden würden.“

Fünf finstere Gesichter schauten ihn zweifelnd an. Zwei Elfen, ein Mensch – und ausgerechnet zwei Jaguare. Was hatte es nur auf sich mit all diesen trainierten Haustieren? Er wusste, dass ein anderer Ranger mit einem Falken jagen gegangen war, aber nun hatte er das Gefühl, dass es nur eine Finte gewesen sei. Der Krieger riet ihre wahrscheinlichen Positionen in den Bäumen über ihm, abhängig vom freien Sichtfeld. Wenn es zu einem Kampf kommen sollte, würde es für ihn diesmal wohl schlechter laufen als damals gegen den Greif.

Ein breitschultriger Elf ergriff plötzlich seine linke Hand und unterdrückte einen Schmerzensschrei. Alle Augen richteten sch auf ihn, als sein Atem stockte und er versuchte, seinen stoischen Gleichmut wiederzufinden.

Die Spannung ließ plötzlich nach, wie eine losgelassene Bogensehne.

„Mach einen Moment Pause, Uilleam,“ sagte ihre Anführerin, eine groß gewachsene menschliche Frau. Sie legte ihre Hand auf die Stirn und flüsterte einige Worte, die nach einem rituellen Gebet klangen.crystal

Wenige Sekunden später wandte sie sich zu dem Krieger und steckte ihr langes Messer in die Scheide. „Bitte verzeih unsere Anfeindungen, Fremder. Die Verdammnis deiner Welt bedroht auch uns, an vielen Fronten. Du bist gerade erst angekommen, aber die Verdammnis ist hier schon viel länger. Die Zeit reist zwischen den Welten auf eigentümlichen Bahnen, wie es scheint. Wir haben ihr Werk bereits gesehen. Sie scheint es zu genießen,“ sagte die Frau ohne eine Spur von Humor.

Der Krieger hatte keine Idee, wie er auf diese Wendung der Ereignisse antworten sollte. Sein Herz raste noch. Seine Augen schossen noch hin und her, sie maßen die Distanz zum nächsten Schutz bietenden Baum und wählten den Elfen, den er als Schutzschild gegen die Klauen der Jaguare packen wollte.

Alle anderen auf der Lichtung schienen sich beruhigt zu haben. Die Frau nahm bei dem Bündel Fackeln Platz. „Ich bin ein schlechter Geschichtenerzähler, Krieger, aber setze dich bitte zu mir. Bitte lass mich es als Minnesängerin versuchen, während wir auf Marcas und Caitir warten, die uns das Abendbrot bringen.“ Die Jaguare begannen, das Lager zu umrunden und dabei das Gras zu beschnüffeln. Sie winkte dem anderen Elfen mit braunem struppigem Haar, der weiterhin besorgt Richtung Uilleam sah. „Fetlock, zünde dieses Feuer an, während ich eine Geschichte erzähle.“

Der Krieger setzte sich stumm nieder. Er zwang sich, seine Glieder langsam zu entspannen.

„Ich bin Isbeil Sioman, Leutnant der Ranger der Mittelmark,“ sagte sie in einem Singsang. „Die Welt, auf der du dich befindest, nennen wir Tala. Der Erdboden ist die Haut unser Göttin Bandia.

Unser Königreich Caledron kannte für mehr als 900 Jahre Frieden und Stabilität. Allerdings besitzt deine Heimat nicht das alleinige Recht auf Gewalt und Verdorbenheit. Aber hier in Tala haben wir unsere Übel geschwächt. Wir haben ihre Meister an die Ränder der Welt getrieben, wo sie weiterhin existieren. Und wir leben in diesem Gleichgewicht, bauen und wachsen in dem Guten, das danach kam.

Das Böse zu beseitigen, ist sehr schwer, wie du selber aus erster Hand erfahren durftest. Es fordert große Opfer. Es anschließend in Schach zu halten, erfordert dauerhaft weitere Opfer.  Das Böse lauert noch immer außerhalb von uns, in den Ogern, Drachen und Dschinns. Wir können ihre Zwietracht nicht völlig kontrollieren. Sie keimt aber auch in jedem von uns. Und dort haben wir einige Macht.“

Sie redete sich langsam warm und rezitierte eher als dass sie sprach, wie in einer Litanei. „Gemeinsam mit unserer geliebten Bandia entwickelten unsere weisesten Priester und ältesten Baumvölker die Pakte der sieben Tugenden. Diese Tugenden schätzen wir: Ehre, Handwerk, Sorgfalt, Unschuld, Harmonie, Schönheit und Frieden. Alle zusammen halten unsere Lebensgeister fokussiert und rein.

Den sieben Tugenden stehen die sieben Flüche gegenüber: Schande, Faulheit, Nachlässigkeit, Verfall, Zwietracht, Abscheu und Feindseligkeit. Wenn unser Geist und unser Herz sich von den Tugenden abwenden, manifestieren sich die Flüche und verbrennen unseren Körper. Gute Talaner werden geschwächt und, wenn wir dem Bösen einen Platz in unseren Herzen gewähren, wahrhaftig getötet.

Flüche sind dank Bandias Güte nicht von Dauer. Wir können büßen und unsere Körper reinigen. Aber die schnelle Beschaffenheit der Flüche bewahrt uns davor, das Böse zu hegen und zu pflegen. Die Verbrennungen erinnern uns daran, es von uns fern zu halten. Du hast ein wenig davon gesehen, als Uilleam dich für die Befreiung der Verdammnis hasste.“ Sie zeigte zu dem breitschultrigen Elfen, der nun auf die Funken blies, die Fetlock unter dem Zunderholz entfachte.

Sie unterbrach die Litanei. „Hast du das verstanden, Krieger?“

Der Krieger war von Isbeils Rede schläfrig geworden. Sie war erfahren darin, eine friedfertige Atmosphäre zu schaffen. Er merkte, wie gelassen er war, nur wenige Minuten nachdem er bereit war, um sein Leben zu kämpfen.

„Hm, ja,“ beeilte er sich zu sagen. „Eure Göttin sorgt für eure Sicherheit, aber verbrennt euch bei lebendigem Leib, wenn ihr nicht gehorcht.“

Isbeil blinzelte. „Was für eine interessante Ansicht,“ sagte sie langsam. Sie machte den Anschein, als versuchte sie die knappe Zusammenfassung des Kriegers zu erfassen. „Das ist nicht ganz richtig, aber du vertrittst eine einzigartige Ansicht, Krieger. Wir glauben, dass ist ein Teil des Grunds, warum du hier bist.pack

Weißt du, in den letzten Monaten sind einige Dinge schlecht geworden. Drachen sind im Süden erwacht. Raureifdämonen kriechen im Norden von ihren Gletscherverstecken herunter. Die Schreckenslichter bringen den Wahnsinn über die westlichen Sumpfgebiete. Die Übel von außen wurden zunehmend stärker, aus Gründen, die wir nicht verstanden – bis deinesgleichen auftauchte.“

Das Feuer entflammte genau in dem Moment, als die Sonne unterging. Uilleam und Fetlock blieben dort, falls die Flammen doch noch erloschen.

„Manche nennen dich und die anderen Fremden Boten des Bösen,“ sagte Isbeil. „Und möglicherweise seid ihr das auch. Ihr seid nicht wie wir abgeschirmt. Wenn wir euch Willkommen heißen, könnt ihr unsere Art zu Leben zerrütten, genauso wie eure Verdammnis unser Caledron zerrüttet hat. Aber ich glaube nicht, dass es dazu kommen muss. Ich denke, dass ihr unsere Retter seid.

Wir können kämpfen. Aber unser Pakt mit Bandia erlaubt es uns nicht, in den Krieg zu ziehen. Als jemand von einer anderen Welt bist du keinen Pakt eingegangen, du unterliegst nicht unseren Flüchen. Das wird viele Talaner dazu bringen, dir zu misstrauen, und auch deinesgleichen auf unserer Welt. Wie Uilleam demonstriert hat, können selbst diejenigen mit den besten Absichten straucheln.“ Uilleam lächelte den Krieger verlegen an.

„Aber du magst auch unsere beste Waffe gegen die Verdammnis sein. Also bringen wir dich zur Hauptstadt von Caledron, Dun Ordha, um unseren geliebten König Caelan aufzusuchen. Dort wird dir das Recht erteilt, das Böse unserer Welt aufzudecken.“

„Bitte? Habe ich dazu nichts zu sagen?“, platzte es aus dem Krieger heraus.
 
Isbeil zeigte in der Lichtung umher. „Krieger, diese Welt ist wunderschön und unser Volk ist gutartig. Möchtest du das nicht verteidigen?“

Fetlock sprach zum ersten Mal: „Deine Ehre sollte dich zwingen, als Entschädigung für deinen Beitrag zur Befreiung der Verdammnis auch für die Folgen deiner Taten einzustehen.“

„Redet hier jeder wie ein Gelehrter?“, dachte sich der Krieger.

Aber er sagte: „In Ordnung. Ich werde helfen, wenn ich kann.“

„Gut.“ Isbeil schien zufrieden. „Wenn das Wetter stabil bleibt, sollten wir Dun Ordha morgen erreichen. Wenn Marcas und Caitir zurückkehren, iss soviel wie du magst. Wir wollen nicht, dass du für deine Audienz beim König ausgehungert aussiehst.“