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Thunderstone Advance

Thunderstone Advance hebt das Spiel auf eine neue Ebene. Dieses neuartige und eigen-ständige Spiel bietet noch mehr Thunderstone Spielspaß.
Zudem kann man seine bisherige Thunderstone Karten in diesem Spiel nutzen.

 

Thunderstone

Bisher sind mehrere Grundsspiele für Thunderstone erschienen. Diese sind jeweils eigenständig spielbar und zugleich auch kombinierbar.

 

Erweiterungen

Mittlerweile sind zahlreiche Erweiterungen für das Thun-derstone Kartenspiel erschie-nen. Jede davon bereichert das Spiel durch neue Aspekte und Karten/Kartentypen.

 

 

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Eine neue Welt, ein uraltes Unheil – Teil 2

Nachdem er bereits drei Wochen lang kreuz und quer zwischen Tundra und Taiga im nördlichen Caledron gewandert war, hatte der Krieger einige Tricks gelernt, um warm zu bleiben. Zum Beispiel in Bewegung bleiben. Viel essen. Mehrere Lagen an Kleidung tragen, um die warme Luft am Körper zu halten. Aber als Wichtigstes hatte er gelernt, immer das magische Wärmestein-Amulett zu tragen, das er in einem Handelsposten gekauft hatte. Es vertrieb die Kälte vortrefflich. Nur gegen die Nässe half es natürlich nicht. Der Wärmestein schmolz den Schnee, der sich unter seinen Mantel verirrte, und das Wasser tropfte dann in seine Stiefel. Aber wenigstens gefror es dort nicht wieder. Er bekam zwar nasse Füße, aber keine Frostbeulen.

Seine Suche nach Raureifdämonen war beschaulich. Sie hatten einige Monate lang einzeln oder zu zweit die nördlichen Dörfer attackiert, aber niemals in organisierter Weise. Diese Eiselemente waren nicht schlau, aber sie wurden durch eine seltene Bosheit angetrieben – eine Art Kälte, die dich hasste. Einige bestanden aus fast durchsichtigem Eis, während andere nur allzu sichtbar waren, wenn sie aus gefrorenen Seen hervorbrachen oder in vereisten Stürmen herabstießen.

Der Krieger hatte in den nördlichen Dörfern viele Geschichten gehört, aber nur wenige verdächtige Aktivitäten während seiner Erkundungen finden können. Wenn jemand ein Land erobern möchte, gibt es dafür viele verschiedene Anzeichen. Vorräte sind am Wichtigsten – selbst eine Armee aus Elementaren benötigt eine Art von Versorgung. Auch Preise stiegen vor einem Krieg, aber ängstlich, wie sie waren, schienen die Dorfbewohner der Taiga weder heimlich Waren zu horten oder an einen unbekannten Lagermeister zu verkaufen. Die Tundra-Orks setzten ihre Scharmützel fort. Sie verhielten sich nicht so, als würde sich etwas Ungewöhnliches ereignen. Wenn die Verdammnis plante, Tala durch das Zusammenziehen von Kräften hier zu erobern, machte sie es sehr raffiniert.

Die Klettereisen des Kriegers brachen das Eis unter seinen Füßen, während der Wind aus einer entfernten Eisschlucht heulte. Im Nachhinein entschied er, dass diese beiden Geräusche das Nähern des angreifenden Frostsäbel-Raureifdämons übertönt hatten.

Ein gewöhnlicher Frostsäbel war kleiner als der Krieger, etwa einen Meter Schulterhöhe und war mindestens 50 Kilogramm schwerer. Dieser war wahrscheinlich ein wenig größer als der Durchschnitt. Er stieß ihn mit Kraft in die Seite, vereiste Klauen schlugen in seinen Wintermantel. Seine Eiszähne bissen Löcher in seinen Umhang, aber drangen nicht durch die darunter liegenden Schichten an Kleidung. Trotzdem hinterließen sie zwei schmerzende Flecken auf seiner Schulter. Sein Atem war eisig und ließ seine ganze Gesichtshaut spröde werden.

Beide Körper fielen nieder, mit dem Frostsäbel oben auf. Der Schädel des Kriegers schlug auf dem gefrorenen Boden auf und sein Blick verschwamm für eine Sekunde. Das Monster stürzte sich erneut auf seine Schulter und riss dabei den kompletten linken Ärmel seines Mantels ab.

Der Krieger wusste, dass Waffen rar waren. Er hatte in der vergangenen Woche seinen Dolch bei einem Eiszwerg gegen Informationen eingetauscht. Sein Langspeer war gut 20 Meter entfernt, verloren gegangen durch die Attacke des Raureifdämons. Mit den verbliebenen Mitteln wehrte sich der Krieger und stieß seine Klettereisen in den Unterkörper der Kreatur. Bruchstücke an Eis flogen vom Körper der Kreatur und magische Funken sprühten aus den Schnitten.

Die Kreatur stöhnte wie der Winterwind, aber klammerte sich an seinen Vorteil. Ihr Gesicht schwebte über dem des Kriegers. Wolken aus eiskalter Luft tröpfelten aus ihrem Mund, und fielen in zähen Tropfen herab. Überall dort, wo die Tropfen aufkamen, froren sie den Krieger ein. Sein Umhang wurde steif, die Fellauflage seines Umhangs bekam Eisnadeln und als der Atem sein Gesicht erreichte, fühlte er nahezu sofort Frostbeulen.

Er überlegte, wie er in diese Situation geraten konnte.

Dun Ordha war das eindrucksvollste Ding, das der Krieger jemals gesehen hatte. Eine riesige Metropole an Elfen, Zwergen und Menschen, die in aller Pracht inmitten einer Waldstadt lebten, die eher gewachsen als erbaut aussah.

Es war buchstäblich überall Gesang. Keine kitschigen, halbbetrunkenen Bardenlieder, sondern wundervolle Musik. Tiere lebten frei unter den Völkern, und viele schienen mit einzelnen Leuten verbunden zu sein, genau wie Vertraute. Bäume waren mit kristallenen Strukturen ineinander verschlungen, sie schraubten sich bis hoch in die Baumkronen. Und so natürlich alles aussah, es war zu perfekt, als dass es so hätte wachsen können. Diese Leute hatten es so gebaut.

Im Zentrum der Stadt befand sich das am meisten beeindruckende Bauwerk, der Kapitolshügel. Eine Palisade aus lebenden Bäumen umgaben das zentrale Schloss, das aus Marmor, Kristallen, edlen Metallen und lebenden Pflanzen gebaut war. Der Hügel war Heimat von König Caelan V., dem sagenumwobenen Elfenkönig, geliebt von allen Einwohnern in Dun Ordha.

Die Ranger begleiteten ihn bis zur Palisade und ließen ihn dort mit beschämend herzlichen Abschiedsgrüßen zurück. Als ihm Isbeil einen handgemachten Armreif aus seltener Rinde und graviertem Silber übergab, errötete er. Er hatte noch nicht einmal alle ihre Namen gelernt.

Er wurde durch die Ankunft eines schlanken, wohl gekleideten Zwergs, der von innerhalb der Palisade erschien, von weiteren Beschämungen verschont. „Seid bedankt, meine Freunde, für das sichere Geleit unseres Gastes,“ sagte er zu den Rangern. Sie tauschten förmliche Freundlichkeiten aus und gingen nach einem letzten Handschlag mit dem Krieger.

„Ich heiße euch willkommen, verehrter Gast!“, sagte der Zwerg. „Ich heiße Ailig Holtt.“ Er sprach jedes „t“ einzeln aus.

Der Krieger legte seinen Kopf in den Nacken, um die mit Zinnen versehenen Spitzen der Palisade zu begutachten. „Hallo Ailig. Wer bist du?“

„Ha!“ Ailig lachte gutmütig. „Ich bin ein Geschichtsschreiber im Dienste des Königs. Ich bin dein Führer während deines Aufenthalts im Kapitolshügel.“

„Bist du mein Führer oder Wächter?“ Der Krieger lenkte seinen Blick zurück auf den Zwerg, um dessen Reaktion zu beobachten.

Der Zwerg lächelte. „Außerhalb dieser Mauern kannst du nach Belieben überall hingehen. Es gibt keine Beschränkungen. Innerhalb möchten wir, dass du dich willkommen fühlst und Antworten auf alle deine Fragen erhältst. Dabei kann ich dir helfen.“

„Wächter ist also die Antwort,“ sagte der Wächter, der ebenfalls lächelte.

Ailig führte den Krieger durch eine Reihe an großen Räumen, geschmückt mit Freskos und Wandteppichen. In der Erfahrung des Kriegers zeigten diese meist Bilder von Kriegen und Questen. Aber hier verherrlichten sie die Erschaffung von Dingen: Töpferei, Silberschmiedekunst, Instrumentenbau, Zauberei und andere Dinge, die er nicht erkannte. Tiere aller Arten waren reichlich abgebildet und verwobene Motive aus Efeu und Kristallen umgaben jedes Bild. Ailig hielt während des gesamten Wegs einen Monolog. Er beschrieb architektonische Schnörkel oder Porträts verstorbener Personen. Manchmal wies er auf eine Ansammlung von verschieden aussehenden Porträts derselben Person hin.

Einige Minuten darauf kamen sie in einem kreisrunden Raum an, viele Meter im Durchmesser, mit einem großen Holztisch im Zentrum. Mehrere Personen hatten bereits daran Platz genommen und waren in verschiedenen Diskussionen vertieft. Der Krieger erkannte einige Gesichter von der chaotischen letzten Schlacht auf seiner eigenen Welt. Er war also nicht der einzige, der es bis hierher geschafft hatte.

Eine Trompete erschallte aus der angrenzenden Halle und alle Talaner standen umgehend auf, selbst die Tiere. Der Krieger hatte sich gerade von seinem Platz erhoben, als ein muskulöser, majestätischer Elf eintrat, bekleidet in geschmackvoller Pracht. Der Krieger erkannte König Caelan von den unzähligen Porträts und Büsten, an denen er auf dem Weg vorbeigekommen war. Es gab keine Ankündigung, es war auch keine notwendig. Der König magnetisierte den Raum. Er hatte die Art Charisma, bei der man seine Tätigkeiten unterbrach und ihn anschauen musste.

„Besucher von Tala, bitte akzeptiert unser Willkommen,“ begann Caelan. Seine Stimme war weich und melodiös. „Ich habe gehört, dass eure Reise mühsam und eure Verluste groß waren. Lasst uns zu Ehren der Gefallenen singen.“

Der Raum stimmte spontan ein Lied an, eine trauervolle Ballade für die Gefallenen. Niemand aus der Welt des Kriegers kannte die Worte, aber einige summten die Melodie während der zweiten Strophe. Sie war für ein Klagelied sehr eingängig.

Im Anschluss fuhr Caelan sanft fort: „Wie eure Freunde, die den Tot erlitten, mussten auch wir großes Unheil bekämpfen. Vor mehr als 900 Jahren gewannen unsere Vorfahren und deren Kinder einen großen Krieg gegen die bösen Mächte von Tala. Mit Hilfe unserer geliebten Göttin Bandia vertrieben wir jede Form des Bösen. Danach errichteten wir Grenzen um unsere Nation, um ihre Rückkehr zu verhindern.

Seitdem hat Caledron Jahrhunderte an Frieden genossen. Wir legten den Krieg ab und wurden Künstler, Musiker ... und vor allem Baumeister. Wir erschufen Wunder, um uns an ihnen zu erbauen und unsere Göttin zu lobpreisen. Wir bauten aus Freude. Wir bauten für die zukünftigen Generationen.

Der Bau dauerhafter Schätze ist eine unserer größten Berufungen. Aber Schätze sind kostspielig, wie ihr wisst. Genau wie der Pakt mit Bandia, der unseren Frieden garantiert, aber uns auch hindert. Vor der Ankunft der Verdammnis waren die Übel unserer Welt schwach  und unter Kontrolle. Nun werden sie durch deren Anwesenheit belebt. Sie stehen an den Toren zu unserer Zivilisation und bedrohen uns mit einer Invasion.

Für euch, die ihr der Verdammnis gefolgt seid, verging die Zeit anders. Einige von euch kamen erst vor ein paar Tagen an. Wir wissen von ihr bereits seit Monaten und vermuten, dass sie bereits viel länger hier ist. Ihre Bosheit ist subtil, und ihre Korruption breitet sich wie ein unkontrolliertes Feuer aus.

Wir müssen uns der harten Realität entgegenstellen, meine neuen Freunde. Unsere Kämpfer sind rar und unser Pakt mit Bandia verbietet uns die Teilnahme an den Feindseligkeiten und Gräueln des Kriegs. Aber ihr kennt dieses Böse und spürt nicht die Flüche, wie wir es tun. Ihr habt die Verdammnis bereits einmal besiegt. Werdet ihr euch uns anschließen und uns dabei helfen, die Verdammnis zu besiegen, da sie jetzt vor unserer Tür kriecht?“

Der Krieger erkannte im Raum den älteren Zauberer vom erfolgreichen Verbannungsritual gegen die Verdammnis. Dem Zauberer fehlte nun ein Auge und er sah gebrechlicher als neulich, als er dem Krieger Befehle ins Ohr gebrüllt hatte. Er erhob seinen Stab und sprach ruhig: „Wir wollten die Verdammnis nicht in eure Welt freilassen. Aber ich muss nach meinem Verständnis für die Folgen meiner Taten geradestehen. Ich werde helfen.“ Die anderen aus der alten Welt folgten ihm und schworen das Gleiche.

Jeder wurde zu verschiedenen Ausbrüchen und Bedrohungen an den Grenzen von Caledron geschickt. Der Krieger erhielt den Auftrag, die Bedrohung durch die Raureifdämonen an der nördlichen Grenze zu untersuchen. Die Raureifdämonen wurden durch ein magisches Artefakt namens Gletscherheim in Schach gehalten. Dieses Artefakt hielt sie angeschirrt und harmlos ein Dutzend Kilometer entfernt von der Grenze Caledrons fest. Gemäß Berichten war das Gletscherheim zerbrochen und die Elementare sammelten sich für eine Invasion unter einem Anführer entlang der Grenze.

So brach der Krieger zur Grenze auf. Als er im Dorf Snowfall ankam, zeigte er den Einwohnern seine zerknüllten Befehle auf dem feinen, handgeprägten Papier. Wie vorhergesagt waren die Einwohner gehorsam aber distanziert, als sie ihm halfen, die Aktivitäten dieser Raureifdämonen zu erkennen. Die Begrüßung in der Hauptstadt war warm und herzlich gewesen, aber in den Außenbezirken war Vertrauen ein wertvolleres Gut. Sie sangen nur zwei Strophen eines Willkommen-Liedes bei seiner Ankunft.

Dieses lauwarme Willkommen kühlte ab, bis er drei Wochen später in ein Gesicht mit tödlichem, elementaren Atem starrte.

Die Lippen des Kriegers brachen auf. Er fühlte, wie seine Tränendrüsen langsam einfroren. Er konnte nicht mehr viel länger überleben, weshalb seine behandschuhten Hände versuchten, zwischen ihn und den Frostsäbel zu kommen und das Wesen wegzustoßen. In dem Gerangel strich seine Hand über den Wärmestein. Selbst bei dem tödlichen Frostangriff fühlte sich seine Brust angenehm warm an...

Er griff nach dem Amulett und fühlte, wie sich die Wärme durch seinen Handschuh ausbreitete. Er riss es von der Efeuschnur und stieß seine ganze Faust in den Rachen des Raureifdämons.

Die Kreatur schrie wie ein brechendes Eiskliff auf. Der Schrei hallte über die Tundra wieder und schreckte einen Schwarm Vögel auf, der davon flog. Er ließ das Amulett in den Rachen der Kreatur fallen und zog seine Hand zurück, bevor es zubeißen konnte. Es sprang vor Schmerzen vom Krieger herunter. Der Raureifdämon schüttelte sein Haupt und scharrte nach seinem Maul wie ein Hund, den versehentlich eine Biene gestochen hatte. Dann rannte er mit schrecklichem Gebrüll davon, während Wasser aus seinem Maul rann.

Der Krieger blieb halb benommen am Boden liegen. Dann stand er langsam auf und klopfte sich den Schnee von seinem zerfetzten Umhang.

Er wusste nicht, warum das Gletscherheim zerbrochen war, aber er wusste genug über militärische Strategien, um eine Finte zu erkennen. Es gab nicht genug Kräfte in dieser Region, um einen mehr als einen paar Tage langen Marsch ins Innere von Caledron durchzuführen, und erst recht nicht genug, um das besetzte Land anschließend zu halten. Die Raureifdämonen waren eine Gefahr, aber keine Invasionsmacht. Die Stärke der Verdammnis lag also woanders.

So naiv und seltsam die Talaner auch sein mochten, der Krieger konnte nicht zulassen, dass diese Blume von Welt unter dem Stiefelabsatz der Verdammnis zerschmettert würde. Er musste zurück nach Dun Ordha und die Talaner wissen lassen, was er entdeckt hatte. Ohne den Wärmestein würde