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Thunderstone Advance

Thunderstone Advance hebt das Spiel auf eine neue Ebene. Dieses neuartige und eigen-ständige Spiel bietet noch mehr Thunderstone Spielspaß.
Zudem kann man seine bisherige Thunderstone Karten in diesem Spiel nutzen.

 

Thunderstone

Bisher sind mehrere Grundsspiele für Thunderstone erschienen. Diese sind jeweils eigenständig spielbar und zugleich auch kombinierbar.

 

Erweiterungen

Mittlerweile sind zahlreiche Erweiterungen für das Thun-derstone Kartenspiel erschie-nen. Jede davon bereichert das Spiel durch neue Aspekte und Karten/Kartentypen.

 

 

Eine neue Welt, ein uraltes Unheil – Teil 3

Der Krieger langweilte sich. Er war schon vor zehn Tagen von der nördlichen Grenze Caledrons zurückgekehrt. Mehr als einen Monat hatte er dort verbracht, inklusive der Genesung von den extremen Erfrierungen. Auf dem Rückweg reiste er einen Teil auf dem Rücken eines riesigen Adlers – das war wirklich aufregend gewesen. Seitdem jedoch hatte er zehn Tage lang dem Zwergenhistoriker Ailig Holtt zugehört, wie dieser historische und kulturelle Grundlagen von Dun Ordha rezitierte. Die letzten vier Tage davon bestanden nur aus Wanderungen innerhalb des Schlosses, dem Kapitolshügel, bei denen er nur mit halber Aufmerksamkeit den gesungenen Balladen über Sorcha Edgewalker lauschte, den Abenteuern der Zwergensippe der Sternns und seiner heutigen Überreste.

Gestern stellte er fest, dass er nicht nur gelangweilt war. Etwas beunruhigte ihn. Er war fast zwei Monate auf Tala, hatte schon eine Reise zu einem Ende der Welt und zurück geschafft und trotzdem nichts vom „Dunklen Feuer aus dem Norden“ gesehen. Auch keiner rund um das Dorf Snowfall hatte davon gehört. Nur ein Druide, den er als erstes in dieser Welt kennenlernte, hatte es erwähnt.

Der Krieger war zu dem Zeitpunkt zu benommen von der Reise durch das Portal nach Tala gewesen, um sich an den Namen dieses Druiden zu erinnern. Seitdem hatte niemand, den er fragte, etwas von dem Druiden gewusst. Selbst Ailig, der scheinbar jeden kannte, bestritt, ihn zu kennen.

„Ich wüsste nicht, wer das so tief in der Mittelmark sein sollte,“ sagte Ailig. Ich weiß von keinem Ältesten der Druiden, der in jene Region gesandt wurde. Aber ich werde das für dich nachprüfen.“

Später, während eines Spaziergangs durch das Königliche Waffenmuseum, blieb der Krieger vor einer Vitrine mit dem Schild „Überreste der Schwarzflammen-Legion“ stehen. Das stilisierte schwarze Flammensymbol zierte jeden Gegenstand. In einer Reihe an schwarzen Metallhelmen fehlte offensichtlich der zentrale Helm.

Das Schild vor dem fehlenden Helm hatte den Text: HELM DES GENERALS.

„Das ist eine komische Geschichte,“ begann Ailig. „Die Schwarzflammen-Legion war die am meisten gefürchtete Truppe der Dschinn-Herrscher während des Verbannungskriegs. Und vor einigen Monaten verschwand der Helm des Generals einfach über Nacht. Niemand weiß, wie das geschah. Keine der Wachen hatte etwas gehört oder gesehen.“

„Hast du nicht den Kurator befragt?“, fragte der Krieger.

„Ja, natürlich, aber Blacach sagte, dass er nichts davon wüsste,“ antwortete Ailig. „Aus welchem Grund sollte er lügen?“

„Geld. Liebe. Rache,“ mutmaßte der Krieger. „Das sind alles gute Gründe.“

„Du bist so zynisch,“ sagte Ailig. „Es können genauso gut diese Corvaxis-Gauner gewesen sein. Die stehlen alles, was nicht festgewachsen ist. Egal, nichts kann daran mehr geändert werden. Der Helm ist weg.“

Der Krieger wusste bereits genug über die Talaner, um zu wissen, dass dieser Mangel an Neugierde zum Alltag gehörte. Talaner waren nicht dumm, sie waren nur extrem vertrauensselig – jedenfalls gegenüber ihresgleichen. 900 Jahre Frieden ließen sie nur gut übereinander denken. Im krassen Gegensatz dazu war der Krieger nur dank einer unermesslichen Menge an Misstrauen am Leben geblieben.

Am nächsten Tag, unter dem Vorwand mehr über das Getratsche der Schlossbewohner hören zu wollen, konnte der Krieger Ailig dazu bewegen, ihm die Wohnbereiche des Schlosses zu zeigen, in dem die Diener des Königs untergebracht waren. Neben Unterkünften für Dienstmädchen und Kammerdienern waren Quartiere für Kristallschleifer, Gärtner, Bibliothekare, Schmiede und – welche Überraschung! – Blacach, Kurator der Königlichen Archive. Er studierte die Anordnung dieser Gemächer, während Ailig mit flüsternder Stimme mit den verschiedenen Mitgliedern des Küchenpersonals über die Tändeleien der Ersten Haremsdame sprach.

In der folgenden Nacht, nachdem ihm Ailig eine gute Nacht gewünscht hatte, schloss der Krieger seine Tür und schob einen Stuhl davor. Einige Zeit machte er sich am Waschbecken und dem Nachttopf zu schaffen, als ob er sich ins Bett legen wollte. Dann öffnete er das Fenster. Er wartete dort für mehrere Minuten und atmete laut und gleichmäßig. Als er sicher war, dass er lange genug sein Schauspiel durchgezogen hatte, kletterte er geräuschlos über die Fensterbank und verließ den Raum.

Die äußeren Wände der Burg bestanden aus steinharter Rinde, die viel Halt für Hände und Füße bot. Die Kletterei zu einem der nächsten Fenster war selbst für eine ungeübte Person einfach. Er überwand zwei Stockwerke, bevor er ein anderes offenes Fenster fand. Nachdem er sich nach Beobachtern umgeschaut hatte, ließ er sich in einen Gang fallen.

Heimlichkeit war nicht gerade die Stärke des Kriegers, aber in der friedfertigen Stadt Dun Ordha wurde Wachsamkeit nicht als Priorität angesehen. Der Krieger hatte zu Beginn der Woche ein Gericht besucht und dabei gesehen, was in Caledron als Verbrechen angesehen wurde. So etwas gab es hier durchaus. Aber wenn die Natur der Welt selber für die Bestrafung sorgte, konnten die Gesetzeshüter einen laschen Dienst schieben.

Der Krieger hatte die Routen der Wachen in den letzten Tagen beinahe reflexartig studiert, noch bevor er überhaupt einen Grund hatte, durch die Burg zu schleichen. Jeder ernsthafte Versuch der Wachen, aufmerksam zu sein, hätte seinen Streifzug merkbar erschwert, aber er hatte wenig zu befürchten. Es lag nicht daran, dass die Wachen inkompetent oder dumm waren, sie waren lediglich stumpf geworden. Wie ein Messer, das wenig genutzt in der Schublade aufbewahrt wurde.

Trotzdem wusste er nicht, wie er diese Aktion erklären könnte und entschied, sich einfach nicht erwischen zu lassen. Auf Zehenspitzen erreichte er die Kammer des Kurators. Die Tür stand einen Spalt offen. Er hörte eine Stimme in dem Raum. Der Krieger schaute vorsichtig hinein und sah einen hell brennenden Kamin. Die Flammen brannten in einem tiefen Schwarz. Blacach redete zu dem Kamin, er war in einer Art Gespräch vertieft. Indem er genauer in die Flammen schaute, konnte der Krieger eine Gestalt im Feuer erkennen. Ein hageres Gesicht mit unnatürlich straffer Haut, nahezu mumifiziert. Auf seinem Kopf trug die Gestalt eine goldene Krone in Form von Flammen, und ein pelzbesetzter Umhang hing um seine ausgemergelten Schultern. Eine gebrochene, angestrengte Stimme strömte aus den Flammen.

„... nersteine sind feine Werkzeuge. Das macht sie deutlich mächtiger als kriegerische Fähigkeiten. Belac muss das erst noch verstehen, aber er wird es schon lernen. Du hast gute Arbeit geleistet, indem du ihn zu mir geschickt hast.“

„Ihr seid gnädig, Lord Mowtil,“ sagte Blacach mit Angst und Ehrerbietung in der Stimme.

„Haben meine Untergebenen die Nachrichten von den Ohren Dun Ordhas fernhalten können?“

„Ja, die Stadt weiß nichts von Euren Aktivitäten im Süden, außerhalb von Ulgidoth. Und die Neuankömmlinge wurden gemäß Eures Plans neutralisiert.“

„Gut. Diejenigen, die man hier heruntergeschickt hat, wurden getötet oder von meinen Truppen bekehrt. Die Gebieter der Türme haben Baile Bhoid bereits zerstört. Schon bald werden wir bereit sein, gen Norden aufzubrechen, und ich werde mich nicht mehr in den Schatten von Xobmokt verbergen müssen. Sei weiterhin meine Augen ...“

Sich nähernde Schritte in der Halle zwangen den Krieger, sein Lauschen abzubrechen. Blacach musste sie auch gehört haben – die Tür schloss sich schnell, als sich der Krieger von den Geräuschen entfernte.

Er machte sich auf dem Weg zum offenen Fenster und kletterte zurück in seine Kammer. Nichts wurde gestört, außer seinen Gedanken.

Er saß auf der Bettkante und dachte über die Ereignisse der Nacht nach. Das dunkle Feuer war definitiv schlecht. Blacach war willentlich in etwas mit Feuer und Dschinns verwickelt. Aber der Krieger würde eine schwere Zeit vor sich haben, wenn er irgendjemanden davon überzeugen wollte, dass ein vertrauenswürdiger Untergebener des Königs einer untoten Kreatur namens Mowtil Artefakte zuschanzte.

Normalerweise konnte der Krieger spontan einschlafen, ein alter Soldatentrick. In dieser Nacht aber lag er mehr als eine Stunde wach und sinnierte über verschiedene Dinge. Er wusste nicht, wo er in Dun Ordha Hilfe finden konnte. Jeder aus seiner alten Welt war über Caledron verstreut, einige augenscheinlich bereits im Süden besiegt. Der mysteriöse Druide, der ihn nach Norden geschickt hatte, musste sich entweder geirrt haben oder war ein Verbündeter von Mowtil.

Schließlich stand er auf, zog sich an und legte sein Schwert um. Er würde Richtung Süden nach Ulgidoth ziehen oder nach Baile Bhoid oder dahin, wo auch immer ihn dort unten etwas erwartete. Wenn er dort auch nur einige seiner Leute traf, würde er sie zu überreden versuchen, sich ihm anzuschließen. Oder er würde sich diesen „Gebietern der Türme“ alleine stellen, wenn es not tat.

Er war sich im Klaren, dass es nicht der schlauste Plan war. Aber nach zwei Monaten hatte er keine Lust mehr auf Schleichen und Reden. Es wurde Zeit, seine Stärken auszuspielen: Einen Dungeon voll mit Monstern aufzuspüren und hinein zu gehen. Leider würde er diesmal auf keinen Adlerrücken reisen.